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Wer entscheidet über die Einschulung?

Bei der Feststellung der Schulfähigkeit arbeiten Eltern, Kindergarten und Schule zusammen

Der Tag der Einschulung ist im Leben eines Kindes sehr bedeutsam. Umso wichtiger ist es, die Einschulung zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen. Neben den Eltern müssen die Schule und die Lehrer den Zeitpunkt festlegen.

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Die Schullandschaft ist in Bewegung und viele Eltern beobachten besorgt, welche Auswirkungen das auf ihr Kind haben könnte. Einschulung schon mit fünf, flexible Eingangsstufe, eine Fremdsprache ab der dritten Klasse und das Turbo-Abitur in 12 Jahren - wie die Kinder diese Veränderungen wohl verkraften? Ein guter Schulabschluss ist wichtiger denn je, weshalb jeder Schritt gut überlegt sein will.

In den meisten Bundesländern gilt derzeit: Wer am 6. Juni eines Jahres sechs Jahre alt ist, wird schulpflichtig und nach den Sommerferien eingeschult. Doch auch das ist in Veränderung begriffen: So werden zum Beispiel in Berlin schon 5 1/2-Jährige schulpflichtig und auch in Bayern wird die Einschulungsgrenze sukzessive erweitert. Außerdem werden Rückstellungen von schulpflichtigen Kindern bundesweit nur noch im Ausnahmefall, zum Beispiel aus medizinischen Gründen, gestattet und Anträgen auf eine vorzeitige Einschulung wird immer öfter stattgegeben. Damit will man erreichen, dass das durchschnittliche Einschulungsalter sinkt, weil Deutschland im weltweiten Vergleich diesbezüglich schlecht da steht. Jugendliche anderer Länder sind früher mit der Schule fertig, beenden schneller ihre Berufsausbildung und stehen dem Arbeitsmarkt früher zur Verfügung. Die politischen Entscheidungen bezüglich des Einschulungsalters stimmen nicht immer mit der Wahrnehmung von Eltern überein. Viele halten ihr knapp sechsjähriges Kind noch nicht für weit genug entwickelt, um den Anforderungen des Schulalltages gewachsen zu sein. Immerhin scheint das Lernpensum zu steigen, obwohl die Verweildauer in der Schule sinkt. Andere Eltern wiederum wünschen sich eine Einschulung für ein gerade fünf Jahre alt gewordenes Kind, da sie es im Kindergarten für unterfordert halten. Doch wer entscheidet letztlich?

Zu klein, zu dumm, zu kindlich?

Um die Schulfähigkeit eines Kindes festzustellen, werden drei zentrale Bereiche berücksichtigt. Bei der körperlichen Reife und der allgemeinen Gesundheit wird überprüft, ob ein Kind altersgemäß entwickelt ist und/oder ob es z. B. durch chronische Krankheiten beeinträchtigt ist. Da ein Schulalltag lang und anstrengend sein kann, muss sichergestellt werden, dass die eingeschulten Kinder diese Anforderung kräftemäßig bewältigen können. Die Konzentrationsfähigkeit, das Verständnis von Symbolen, das Vermögen, Arbeitsaufträge umzusetzen und eine altersangemessene Sprachentwicklung sind unter anderem Faktoren, die Aufschluss über die kognitive Reife eines Kindes geben. Außerdem ist auch die emotionale Stabilität, also der Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen, die neugierige Lust am Lernen und die Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit anderen Kindern notwendig, um den sozialen Anforderungen der Schule gewachsen zu sein. In der Regel überprüft das Gesundheitsamt, vertreten durch einen Schularzt, in einem ersten Termin die Schulfähigkeit. Hat er nichts gegen die Einschulung eines Kindes einzuwenden, so folgt ein Beobachtungstermin in der Schule. In einem abschließenden Gespräch wird den Eltern dann durch die Schulleitung mitgeteilt, ob das Kind in die Schule kommt oder nicht.

Wer entscheidet über die Einschulung?

In den meisten Fällen sind sich Schulleitung, Eltern und Gesundheitsamt einig. Doch hin und wieder kommt es vor, dass die Meinungen auseinander gehen. Es ist nur natürlich, dass Eltern ihr Kind anders erleben als dies Erzieherinnen im Kindergarten oder die Lehrer in der Schule tun. Das Sozialverhalten eines Kindes in einer größeren Gruppe können Lehrer oder Erzieherinnen meist besser beurteilen als die Eltern. Zu Hause andererseits sind die kognitiven Leistungen eines Kindes oft besser einzuschätzen, da hier viel mehr Zeit und Zuwendung für das einzelne Kind möglich ist.

Wenn über die Einschulung eines Kindes kein Konsens herrscht, ist es am sinnvollsten, mit allen an diesem Prozess Beteiligten gemeinsam zu beraten. Eltern, Schulleitung, Lehrer, Schularzt und Erzieherinnen sollten kooperieren und im Sinne des Kindes zu einer gemeinsam getragenen Entscheidung finden. Möglicherweise ist es auch sinnvoll, den Gesundheitscheck und die Schulbeobachtung noch um einen Einschulungstest zu erweitern. Bei der Frage nach der Schulfähigkeit ist es wichtig, sorgfältig und genau vorzugehen, denn Fehlentscheidungen können sich auf das Selbstbewusstsein und den Leistungswillen eines Kindes negativ auswirken. Kann die Frage nach der Einschulung oder Rückstellung eines Kindes nicht einvernehmlich gelöst werden, hat die Schulleitung das letzte Wort.

Ich bin Diplom-Pädagogin, leite seit vielen Jahren eine lerntherapeutische Einrichtung und arbeite als Autorin und Redakteurin. www.lernfoerderung.de. Ich schreibe auch für das kizz.-Magazin.

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6 Kommentare

Von am

z"u klein, zu dumm zu kindlich" - bringt das Thema Schulfähigkeit, von staatlichen Stellen eher schwammig definiert, genau auf den Punkt. Auch das Befinden über soziale und kognitive Leistungen des Kindes sind verständlich zwischen Einrichtungen und dem elterlichen Zu Hause dargestellt. Super Artikel, werde ihn gern weiter empfehlen.

Von am

Schade dass es viele Väter die Kinder früher einschulen wollen obwohl bei vielen die Einfühlungsvermögen fehlt und dies durch Gerichtsprozesse lösen wollen.

Von am

Ich bin sehr verunsichert was für unsere Tochter (6) das beste ist. Einerseits ist sie vom Verstand soweit, andererseits hat sie motorische und emotionale Schwierigkeiten. Und Uns von überall bekommt man was anderes zu hören

Von am

Mich macht das Thema fertig - meine Tochter ist einen Tag nach dem Stichtag geboren! Es kann mir doch keiner erzählen, dass Kinder, die zwei Tage älter sind, wesentlich weiter sind. Meiner Meinung nach, ist der Stichtag in NRW sch**** gewählt - wäre er nach wie vor im Sommer (wie früher), würde ich sie regelgerecht einschulen lassen. Denn dann wäre sie nicht alleine (ungefähr 5 ihrer Freunde haben im Spätsommer Geburtstag). Da so aber alle mit dem Geburtstag bis zum 30.09. durch sind (und sie ja erst am 01.10.) werde ich sie als Kann-Kind anmelden. Obwohl ich allen Kindern von Herzen noch ein entspanntes Kita-Jahr gönnen würde...

Von am

Welche Möglichkeiten gibt es ein Kind zurückzustellen?
Geburtstag ist der 02.09. und die Schulleitung der zukünftigen Grundschule sieht keinen Grund ihn zurückzustellen, auch weil die Klassen klein sind. Er ist ein Frühchen hat aber keinerlei Einschränkungen bis auf die Aussprache. Alle Ärzte und Logopäden sagen es gibt keinen Grund für die Sprachschwierigkeiten er sei lediglich etwas spät und das kommt. Seit dem Sommer besucht einen Sprachheilkindergarten wo gezielt darauf eingegangen wird. Nur leider gibt es dort keinen Vorschulunterricht.
Er wird also doppelt benachteiligt sein und die schlechte Sprache führt vermiutlich zu Schwierigkeiten beim Schreiben. Die Schulleitung sagt entweder stellen wir einen Antrag auf eine Sonderschule oder er muss die erste Klasse wiederholen.
Das macht für mich gar keinen Sinn weil er bis zum Sommer nicht richtig sprechen und schreiben können wird. Warum muss man einem Kind sowas antun? Da ist es doch besser ihn zurückzustellen.

Von am

Mal ne frage meine Tochter ist fünf jahre alt seit Oktober.
Kita sagt ja zu Schule,-schule hat sie angenommen(untersucht und angenommen) termin der untersuchung des Bezirks,
viel auf einen anderen Termin.Dort wurde uns gesagt wäre sie ein muss kind wäre es kein Problem. aber weil sie ein kann Kind ist sagt sie NEIN. Was können wir machen bitte um hilfe

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