Menu Suchen

Wie Kinder Regeln lernen

Feste Regeln für ein lockeres Familienleben

Wie Kinder Regeln lernen: Feste Regeln für ein lockeres Familienleben
 © Bild: h_lunke - Fotolia.de

Um den Alltag mit Kindern harmonisch und unkompliziert zu gestalten, sind sinnvolle Regeln sehr wichtig. Klare Ansagen und nachvollziehbare Grenzen machen es für alle einfacher und geben Sicherheit.

10

Wenn die Ampel Rot zeigt, bleiben wir stehen; wir bedanken uns, wenn wir etwas geschenkt bekommen; und vorm Zubettgehen putzen wir unsere Zähne. Ohne Regeln geht es nicht. Sie erleichtern das Miteinander, geben Orientierung, setzen Grenzen. Mehr noch: Regeln schaffen Verlässlichkeit und Vertrauen, reduzieren Unsicherheiten und so manchen Streit. Auch und gerade Kinder brauchen Regeln, da sind sich die Fachleute einig.

Damit ist natürlich nicht gemeint, dass die Methode „Zucht und Ordnung" aus Urgroßvaters Zeiten wiederbelebt werden soll. Als ebenso ungünstig wie der streng fordernde Erziehungsstil hat sich aber auch das andere Extrem erwiesen: der so genannte Laissez-faire-Stil, bei dem Kindern keinerlei Grenze gesetzt wird. Heute weiß man, dass so „Erzogene" häufig das Gefühl entwickeln, ihren Eltern gleichgültig zu sein. Die Grenzenlosigkeit verunsichert stark, erzeugt Ängste und Verhaltensauffälligkeiten.

Es ist daher wichtig, einem Kind klare und nachvollziehbare Grenzen zu setzen. Zum Regelnlernen ist es nie zu früh. Sogar Säuglinge können das schon: Früher oder später entwickeln sie zum Beispiel ein Gespür für den Unterschied zwischen Aktivität am Tag und Ruhe in der Nacht. Ihr Kind im Kiga-Alter ist also nicht überfordert, wenn es ein paar vernünftige Regeln lernen soll. Doch welche Regeln sind vernünftig?

Regeln engen nicht ein, sondern bieten Orientierung

Führen Sie sich zunächst den Sinn von Regeln vor Augen: Sie sollen keine Käfige sein, sondern Wegweiser durch den Alltag. Nach diesem Grundsatz entscheidet jede Familie am besten selbst, welche Regeln ihr wichtig sind. Manche beten zum Beispiel vor dem Essen, andere finden das nicht so wichtig. Anhaltspunkte für sinnvolle Regeln bieten häufige Streitigkeiten: Gibt es zum Beispiel immer wieder Ärger um die Frage, wie lange Ihr Kind fernsehen darf? Dann handeln Sie im Familienrat eine maximale Fernsehdauer aus. Wichtig ist aber, dass Sie Ihr Kind einbeziehen. Es sollte nicht das Gefühl bekommen, Sie würden diktatorisch über seinen Kopf hinweg strenge Ge- und Verbote erlassen. Es geht vielmehr darum, den ewigen Streitanlass zu eliminieren, und dazu stellen Sie gemeinsam eine Regel auf, die für alle(!) Beteiligten gilt. Wenn Sie also vereinbart haben, dass Ihr Kind 30 Minuten am Tag fernsehen darf, dann muss es die halbe Stunde auch wirklich zur Verfügung haben, wenn es das möchte. Um dem Ganzen Gewicht zu verleihen, können Sie einen kleinen Vertrag aufsetzen, den Sie und Ihr Kind unterschreiben.

Wichtig: Die Regel muss zum Alter Ihres Kindes passen. Es muss ihren Sinn verstehen und sie befolgen können. Mit der Vereinbarung „Wir essen mit Messer und Gabel" wäre ein Dreijähriger sicher überfordert; die Regel „Wir schlagen nicht mit der flachen Hand ins Essen" hingegen kann er schon sehr gut befolgen. Damit Ihr Kind die Regel einsieht, erklären Sie ihm ihren Sinn: „Abends räumen wir auf, damit wir nicht über herumliegendes Spielzeug stolpern und uns verletzen."

Klare Ansagen sind unerlässlich

Nun muss das Vereinbarte aber auch umgesetzt werden und in Fleisch und Blut übergehen. Deshalb sind Regeln (zunächst) unumstößlich. Klartext und Konsequenz sind gefragt: Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind den Fernseher ausschaltet, fragen Sie nicht: „Findest du nicht, dass du schon genug geschaut hast?" Denn Ihr Kind findet natürlich nicht, dass es genug geschaut hat. Sagen Sie klar und mit fester, ruhiger Stimme, was Sie wollen: „Ich möchte, dass du dich an unsere Vereinbarung hältst und jetzt ausschaltest!" Schauen Sie ihrem Kind dabei in die Augen und bleiben Sie bei Ihm, bis es Ihrer Anordnung nachgekommen ist. Lassen Sie sich nicht durch ein „Ja, gleich" abspeisen.

Missachtet ein Kind die Regel, sollte dies nicht folgenlos bleiben. Hier brauchen Sie ein wenig Fingerspitzengefühl: Auf keinen Fall sollten Sie willkürlich strafen, denn es geht nicht darum, das Kind mit Taschengeldentzug oder Hausarrest „zurückzuärgern". Ihr Kind muss eine Konsequenz seines Handelns erfahren, die ihm hilft, den Sinn der Regel zu verstehen. Hat Ihr Kind beispielsweise trotz Ermahnung in sein Essen geschlagen (s. o.), muss es auf die Gute-Nacht-Geschichte verzichten, denn Papi kann nicht vorlesen, weil er die Küche putzen muss. Das ist logisch, das kann ein Dreijähriger verstehen. Auch wenn es schwer fällt, sollten Sie konsequent bleiben und die Geschichte nicht vorlesen. Nur so kann sich Ihr Kind klar darüber werden, dass es sich unangenehme Folgen eingehandelt hat - und Einsicht ist tatsächlich der beste Weg zur Besserung. Versuchen Sie also stets, statt einer Strafe eine logische Folge des Regelverstoßes zu finden.

Ist eine Regel etabliert, sind natürlich Ausnahmen erlaubt. Im Urlaub dürfen Kinder auch mal ein wenig länger aufbleiben; wenn sie krank sind, sicher auch mal etwas mehr fernsehen und nach einem Alptraum dürfen sie selbstverständlich ins Bett der Eltern.

Ich schreibe auch für das kizz.-Magazin.

Wie hat Ihnen mein Artikel gefallen?
4 / 5 Sterne basierend auf 219 Bewertungen
10

10 Kommentare

Von am

Schöner Beiträg, passt gerade habe eine 12 jahrige und ein Baby 4 Monate.

Von am

Ich finde den Artikel bedenklich, weil er schlecht begründet. Solche Ratgeber-Tipps will ich nur von Fachleuten hören. Leider kann ich dem Artikel nicht entnehmen, ob der Autor pädagogische Expertise hat. Das bitte angeben oder in einem anderen Stil schreiben, der es stärker als eigene Meinung / Erfahrung kennzeichnet.

Von am

An Max:
Du hast keine ahnung!

Der artikel ist gut. Wenn mehr eltern diese erziehung umsetzen würden, hätten wir zufriedenere kinder, ebenso friedlichere menschen und es somit alle etwas leichter. Egal wer (ob pedagoge oder spezialist oder sonst wer) was sagt.

Von am

Die Konsequenz aus dem Schlagen ins Essen ist und bleibt: Der Tisch und das Kind sind schmutzig.
Davon könnte man dann ableiten, dass das Kind sich einen Lappen schnappt und sauber wischt.

Stattdessen die Gute-Nacht-Geschichte zu streichen ist eine willkürliche Strafe. Keine (logische) Konsequenz.

Von am

Lenina scheint ein Wunderkind zu haben, dass mit 2 oder 3 Jahren schon sich und den Tisch wieder abwischen kann. Bravo!
Mein Sohn kann das noch nicht und deswegen wäre bei uns die konsequente "Bestrafung" ebenfalls das streichen der Gute-Nacht-Geschichte.
Sehr schöner Artikel übrigens.
Ich finde nichts schlimmer, als diese Eltern, die ihren Kindern zu viel durchgehen lassen, am besten noch alles erstmal ausdiskutieren und sich dann wundern, warum die Kids ihnen schon im Kindergartenalter auf der Nase rumtanzen, treten, schlagen, etc.
Was mir im Artikel fehlt, ist die unbedingte Einigkeit der Eltern. Wenn der eine A sagt, darf der andere nicht B sagen. Wenn ich z.B. "nein" sage und mein Mann hat gar nicht mitbekommen worum es ging, sagt er auch erstmal "nein". Später tauschen wir uns aus wieso weshalb warum.

Von am

Ich finde die Message von diesem Artikel bedenklich. Schlägt ein 3jähriges Kind in sein Essen, wäre die logische Konsequenz alles aufzuwischen. Das kann auch schon ein 2 oder 3jähriges Kind, wenn man es ihm zutraut. (Natürlich muss man nachwischen).
Daneben gibt es meiner Meinung nach verschiedene Gründe warum ein Kind ins Essen schlägt. Ist es vielleicht unzufrieden, unausgeglichen, weil es sitzen bleiben muss, will es experimentieren (dann könnte man ihm andere Möglichkeiten anbieten). Ich würde natürlich auch sagen dass ich das nicht will, aber ein Kind mit Streichung der Gute Nacht Geschichte zu bestrafen, finde ich lieblos. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Das Kind empfindet es als Liebesentzug und Eltern tun sich damit keinen Gefallen. Die Botschaft die beim Kind ankommt lautet: Mama oder Papa hat mich gerade nicht lieb, ich bin nicht ok so wie ich bin.
Schade dass hier keine anderen Möglichkeiten aufgezeigt wurden.

Von am

Ich finde den Artikel gelungen und informativ!

Von am

Ich finde den Artikel ganz gut erklärt, dass alle unsere Aktionen auch Reaktionen hervorrufen und dadurch natürliche konsequenzen hervorrufen ist ja klar.
Das Beispiel finde ich allerdings auch etwas extrem dargestellt.
Nun gut unsere Kinder bekommen hin und wieder eine Geschichte im Ess-/Wohnraum vorgelesen, wenn die Zeit nach toberei und allem noch reicht und dann nach Zähne putzen und co. Abends im Bett nochmal eine.., wenn es wirklich zu lang dauert, fällt bei uns das Sandmännchen weg, dass man ja aber, dank Internet auch am nächsten Abend noch gucken kann :-)
Das sind unsere natürlichen konsequenzen, da es eine Zeit für Ruhe gibt und eine Zeit für Aufmerksamkeit..

Von am

Hallo, finde den Artikel super, genau wie in der Realität und nicht so psychologen Kake! Das hilft mir mehr, von Müttern, als von igendwelchen evt noch kinderlosen studierten weiss ich was für Tips zu bekommen! (spreche aus Erfahrung) Danke

Von am

Hallo, wo bitte liegt die Konsequenz Stunden später die gute Nacht Geschichte nicht vor zu lesen?
Konsequenz bedeutet das sie sofort zu erfolgen hat. Unmittelbar das ungewünschte unterbinden und das dem Kind mitteilen. Gegebenfalls je nach Alter auch an die Wand stellen, um nach zu denken was grade schief gelaufen ist, um dann darüber zu reden und es nochmal zu probieren.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar

* Diese Angaben benötigen wir von Ihnen: Ihre E-Mail-Adresse zeigen wir nicht an.
** Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Name angezeigt wird, wählen Sie bitte zusätzlich einen Anzeigenamen, den wir dann anstelle Ihres Namens veröffentlichen.

Herzlich Willkommen!

Sie nutzen den Internet Explorer in einer veralteten Version. Ihr Browser kann unsere Website leider nicht korrekt darstellen. Bitte aktualisieren Sie auf eine neuere Browser-Version.