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Bei Freunden übernachten

Darf ich heute bei Lisa schlafen?

Bei Freunden übernachten: Darf ich heute bei Lisa schlafen?
 © Bild: Monkey Business - Fotolia.de

Dass Kinder irgendwann mal bei dem besten Freund oder der besten Freundin übernachten wollen, ist ganz normal. Wichtig ist, dass Sie als Eltern Ihr Kind dazu ermutigen. Der Einblick in ein anderes Familienleben ist für Kinder spannend und aufregend.

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Im Kindergarten ist Zacharias derjenige, der alles am besten weiß, alles als erster ausprobiert und am lautesten erzählt. Außerdem ist Zacharias der beste Freund von Lisa. Zweimal war er schon bei ihr zu Hause zum Spielen und hat bei der Gelegenheit ihre Eltern und ihre kleine Schwester kennen gelernt. Jetzt steht die nächste Etappe bevor: er darf bei Lisa übernachten. Gemeinsam mit seiner Mutter packt er seine Tasche, in der außer Zahnbürste und Schlafanzug auch das Schmuseschwein Lilli und sein Lieblingsbuch über Motorräder Platz finden. "Er freute sich sehr darauf, zum ersten Mal aus unserem Familienrhythmus auszubrechen und allein für sich verantwortlich zu sein. Seine große Schwester durfte ja auch schon bei Freunden übernachten, und jetzt kam die Reihe endlich an ihn", erklärte seine Mutter.

Wenn die Kleinen langsam der Mut verlässt

Bei Lisa wird wie wild gespielt und getanzt, bis Lisas Mutter kurz nach acht Uhr energisch zur Bettzeit ruft. Als Lisa in ihrem Bett und Zacharias samt Lilli und Motorradbuch auf einer Matratze daneben liegen, liest sie noch eine Geschichte vor, dann knipst sie das Licht aus. Eine Weile lang dringt Flüstern und Kichern in den Flur, danach wird es ruhig. Als Lisas Mutter kurz darauf auf Zehenspitzen ins Zimmer trippelt, schläft Lisa - und Zacharias hat den Kopf im Kissen vergraben und weint leise vor sich hin. Alles Trösten ist nutzlos. Als Zacharias' Mutter am Telefon anbietet, ihn abzuholen, schnieft er nur zustimmend. "Um halb elf war er wieder in seinem eigenen Bett", erzählt seine Mutter von diesem ersten Abnabelungsversuch. "Er ist zwar tagsüber sehr selbstbewusst, braucht aber offensichtlich abends doch noch die gewohnte Umgebung, um sich sicher und geborgen zu fühlen."

Andere Familien - anderes Zusammenleben

Klar ist in einem fremden Haus alles anders, und in der Dunkelheit wird auch dem großspurigsten 5jährigen mulmig, wenn er Schritte hört oder das Rauschen der Klospülung. Meist sind Übernachtungen bei Freunden erst ab 8 Jahren mit Erfolg gekrönt, wenn das Selbstbewusstsein der Kinder soweit gestärkt ist, dass sie die Herausforderung des Alleinseins in fremder Umgebung meistern. Dann genießen sie ihre Selbständigkeit und nutzen den Einblick in die Gastfamilie, um Parallelen zu ziehen. Wie viel Zeit nehmen sich andere Eltern für ihre Kinder? Worüber sprechen sie miteinander? Wer macht den Abwasch, wer bringt die Kinder ins Bett? Kommen Einzelkinder zu Besuch in eine Großfamilie, lernen sie viel über Rivalität und Komplizenschaft zwischen Kindern verschiedener Altersstufen. Vielleicht lebt gar Opa mit im Haus? Oder ein Hund tappst durch die Räume und verlangt nach Streicheleinheiten?

Je vertrauter die Gastfamilie ist, umso leichter fällt das Übernachten (und umso leichter fällt es den Eltern, das eigene Kind ziehen zu lassen). Trotzdem sollten auch 10jährige noch ein Kuscheltier oder das eigene Kopfkissen mitbringen dürfen, um beim Freund die heimelige Umgebung heraufzubeschwören. Manche beruhigt eine Taschenlampe, die ihnen in der Nacht den Weg zum Badezimmer zeigt. Und meist bestehen die Kinder auch bei Vorhandensein eines Gästezimmers darauf, im Zimmer des Freundes zu schlafen, denn das gemeinsame Flüstern im Dunkeln, das gemeinsame Erleben einer außergewöhnlichen Situation, macht das Übernachten ja erst attraktiv und stärkt die Freundschaft. Auch wenn das bedeutet, dass nur der kleinste Teil der Nacht mit Schlafen zugebracht wird!

Gute Planung ist die halbe Übernachtung

Marie, Mutter von vier Kindern zwischen 14 und 21, hat so einige Übernachtungsgäste beherbergt. "Ich biete allen Kindern an, jederzeit zu Hause anrufen zu können, und bespreche mit den Eltern, ob sie bereit sind, ihr Kind bei Bedarf auch noch mitten in der Nacht abzuholen. Das geht natürlich nur, wenn die Eltern nicht allzu weit weg wohnen. Aber oft konnte ich die Kinder, die plötzlich Heimweh bekamen, selbst trösten." Gut zu wissen ist dann, ob das Kind zu Alpträumen neigt oder im Moment mit einer schwierigen Situation klarkommen muss. "Der kürzliche Tod des Haustiers oder die Krankheit eines Elternteils wird von dem Kind zuhause vielleicht ganz gut gemeistert, verstärkt aber bei Fremden nachts das Gefühl des Alleinseins." Auch über Allergien, Bettnässen oder besondere Ängste sollte die Gastfamilie unterrichtet sein. "Sonst lässt man die Kinder einen Film gucken, der im Zirkus spielt, und eins der Kinder hat Angst vor Clowns. Danach bringt man die halbe Nacht damit zu, ein zitterndes Kind auf dem Schoß zu wiegen", kramt Marie in ihren Erinnerungen. Und noch einen letzten Ratschlag hält Marie parat: "Die Eltern sollten mit dem Kind absprechen, wann sie es wieder abholen - nach dem Frühstück ist meist ideal - und sich daran halten. Verspätungen werden vor allem von kleineren Kindern als Verrat ausgelegt!"

Auch wenn so eine Nacht bei Freunden für alle Beteiligten mit Aufregung verbunden ist und vielleicht beim ersten (oder auch zweiten oder gar dritten) Mal doch wieder im eigenen Bett endet, sollten Eltern ihren Kindern das Abenteuer ruhig zutrauen. Zacharias jedenfalls möchte unbedingt wieder mal bei Lisa übernachten: es gibt doch nichts Tolleres, als die eigenen Grenzen aufzuspüren und, wer weiß, bald einmal zu überspringen...

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